THOMAS SPRING | DE
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THOMAS SPRING | DE

Unsere Museen haben ihre Wurzeln im Zerfall barocker Wunderkammern, die zwar Sammeln als Wissen etabliert, aber durch die Entwicklung immer neuer Wissensgebiete, die Explosion der Sammlungen und den Zwang zu ihrer dauernde Neuordnung schnell ihre Grenzen ausgedehnt hatten. haben diese Vor- und Frühformen der heutigen Museen mit ihrem absolutistischen Er- kenntnismodell, der Spiegelung von Makro- und Mikrokosmos für uns noch irgendeine Relevanz? Mit der Grundsatzdebatte um die Funktionen des Museums entstand in der Moderne auch ein neues und konzeptionelles Interesse an der Wunderkammer. Eine wieder vergleichbare Aufmerksamkeit lässt sich seit den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts erkennen und richtet sich auf grundsätzliche Veränderungen in den Museen, zu deren wichtigsten neben der Demokratisierung auch die Etablierung szenographischer Ausstellungen gehört. Was sagen uns Wunderkammern, wenn wir uns für die Zukunft des Museums und der Ausstellungsformate interessieren? Die Netzgesellschaft wird das Fundament des Sammelns, Bewahrens, Erforschens und Zeigens in den Museen grundsätzlich verändern. Wird in diesem Prozess die Wunderkammer ein Modell für den Kurator oder den Besucher, und sind ihre Ordnungs- systeme mit den manchmal surrealen Objektbegegnungen, sind die Kunst des Übergangs und der dauernden Rekombination etwas, das die Grenzen zwischen Wissenschaft und freier wie angewandter Kunst aufhebt? und weiterhin: Liegt in dem Moment der „öffentlichen Schaustellung“ eines Inhaltes, liegt in diesem sozialen Ritual so etwas wie ein gemeinsamer theatraler Wesenskern der Wunderkammern und der heutigen Museen? Geht es im Museum der Netzgesellschaft eher um Ereignisse als um Objekte und Wissen? Vielleicht ist die Alternative zwischen auratischem Objekt und inszenierter Ausstellung in Zukunft obsolet oder zumindest weniger wichtig als die künftige Trennung in weltweit vernetzte Archive, Depots und öffentliche, durch Ereignisse präsentierte lokale Schausammlungen? Das Panel diskutiert vor dem hintergrund der Geschichte der Wunderkammer, ihren artistischen und philosophischen Wurzeln neue Tendenzen und Projekte aus der Praxis des Ausstellungsmachens.
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Stephan Trüby, geb. 1970, ist freier Architekt, Theoretiker, Kurator sowie Direktor des Postgraduierten-Studiengangs Spatial Design und Szenografie der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Er studierte Architektur an der AA School in London. Von 2007 bis 2009 war er Professor...
Published 02/27/11