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Der Schlusstein in der Trilogie der drei letzten Sonaten beginnt dramatisch. Und endet magisch: Das "Arietta"-Thema verwandelt sich stetig, beschleunigt sich, bekommt Swing, macht zwischendurch Station beim Boogie-Woogie, bevor es sich - schwindelfrei über Abgründe kletternd - in Trillerketten verflüchtigt. Ein langer Weg geht zuende - Zeit für Igor Levit und Anselm Cybinski, zurück zu schauen und Danke zu sagen. Aber der Abschied ist Aufbruch - neue Podcast-Ideen stehen schon am Horizont.
Published 07/20/20
Choral (erster Satz) und Gassenhauer (zweiter Satz), Rezitativ (Einleitung zum Finale), "klagender Gesang" und Chorfuge (Finale): Es geht um Gesanglichkeit in der vorletzten Sonate op. 110. Aber "gesungen" wird hier auf die denkbar unterschiedlichste Art und Weise. Und es wird dabei eine Geschichte erzählt: Beethoven war an Gelbsucht erkrankt. Im Finale seiner vorletzten hört man eine Erinnerung daran ("Klagender Gesang", "ermattend"). Ebenso wie die Genesung, den Weg zurück ins Leben: Der...
Published 07/20/20
Der mittlere Beethoven schert sich nicht um Konventionen, sondern setzt seine eigenen Regeln. Der späte Beethoven geht einen Schritt weiter: Auch die eigenen, selbst gesetzten Regeln stehen jederzeit zur Disposition. Alles ist möglich. Die Musik ist voller Brüche und Collagen. Verfremdete Zitate von Altbekanntem und unerhörte Klänge stehen nebeneinander. Der erste Satz von op. 109 klingt leichthändig und schwebend, alles geht ganz schnell, nichts verfestigt sich, alles schwebt wie im Traum,...
Published 07/19/20
Ein Gebirge, eine Strapaze, ein komponierter Superlativ - und mehr, als ein Mensch in einem Menschenleben begreifen kann. Die Hammerklaviersonate op. 106, sagt Igor Levit, ist voller hysterischer Freude (1. Satz), übergeschnappt (2. Satz), verzweifelt (3. Satz), und in der abschließenden Fuge gerät die Welt aus den Fugen (4. Satz). Apokalyptisch. Klar, dass die längste Sonate auch die längste Podcast-Folge bekommt!
Published 06/29/20
Zwei Sätze suchen, stellen alles in Frage - das Finale findet eine Antwort. Der erste Satz scheint zu schweben - alles fühlt sich an wie im Traum. Der zweite: ein vertrackter Marsch, zu dem kein Mensch marschieren kann und jede Kompanie ins Straucheln käme. Doch dann, sagt Igor Levit, herrscht endlich Klarheit: Alles zielt aufs Finale. Und damit öffnet sich eine neue Welt: Beethovens Spätwerk.
Published 06/29/20
Mal wahnsinnig karg, dann, nur drei Takte später, emotional ausufernd: Der erste Satz von op. 90 ist ein rätselhaftes Stück. Ein Wechselbad der Gefühle, mal stolz und extrovertiert, mal ganz nach innen gekehrt. Aber immer passioniert, sagt Igor Levit. Und darauf antwortet der wohl gesanglichste aller Sätze in Beethovens Sonaten. Getragen von einer der schönsten Melodien, die Beethoven erfunden hat.
Published 06/28/20